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Boom am Häusermarkt rettet Chinas Wachstumszahlen

A worker walks across the construction site of the terminal for the Beijing New Airport in Beijing's southern Daxing District, China October 10, 2016. REUTERS/Thomas Peter

Chinas Wirtschaft zeigt im dritten Quartal Zeichen der Stabilisierung. Doch das Wachstum von 6,7 Prozent hat Peking auch dem boomenden Immobilienmarkt zu verdanken. Die Preise in den Großstädten laufen heiß – für die Regierung ein Dilemma.

Um rund 50 Prozent haben sich Wohnungen in Deutschlands größten Städten seit 2010 verteuert. Fang Yongbin lacht, als er diese Zahl hört. «Und das halten die Leute bei euch in Deutschland schon für Wahnsinn?», fragt er ungläubig. Der 38-Jährige kommt aus Hefei, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, und arbeitet seit zehn Jahren in einer Werbeagentur in Peking.

Seit er in Chinas Hauptstadt ankam, versucht er gemeinsam mit seiner Freundin genug Geld für eine kleine Wohnung am Stadtrand zu sparen. Doch die Preise galoppieren davon und lassen dem Paar keine Chance, auch nur ansatzweise genügend Eigenkapital zu sammeln. Seit 2010 sind die Wohnungspreise in der 20-Millionen-Metropole um 180 Prozent geklettert. Ein Eigenheim kostet nun im Durchschnitt 55 000 Yuan pro Quadratmeter, rund 7400 Euro. Und das bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von umgerechnet 900 Euro. «Das nenne ich Wahnsinn», sagt Fang Yongbin.

Doch auch wenn die Preise schon viele Chinesen wie den Werbefachmann und seine Freundin abgehängt haben, genügend Kaufwillige gibt es noch immer: Allein in Peking sind die Preise in diesem Jahr erneut um 25 Prozent gestiegen. Noch steiler bergauf ging es in Shanghai (44 Prozent) und in der südchinesischen Metropole Shenzhen (55 Prozent). Stagnationen oder sogar Preisrückgänge verzeichnen dagegen kleinere Städte, wo oft komplett am Bedarf vorbei gebaut wurde und ganze Geisterstädte entstanden sind.

Die Regierung sieht den Beton-Boom mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist der gut laufende Immobiliensektor willkommen, weil er dabei hilft, das ins Stocken geratene Wachstum des Landes zu stabilisieren. Rund die Hälfte der in China getätigten Inventionen flossen laut Einschätzungen von Analysten in diesem Jahr in den Immobiliensektor. Das meiste davon auf Pump. Wäre die Kauf- und Spekulationslust am Häusermarkt nicht so groß, auch die am Mittwoch vorgelegten Wachstumszahlen für das dritte Quartal wären weniger freundlich ausgefallen. Mit einem Zuwachs von 6,7 Prozent lagen sie genau im Rahmen der Regierungserwartungen.

Gleichzeitig ist der Immobilienboom auch ein Zeichen für die weiterhin große Unsicherheit: «​Die Menschen kaufen Häuser, weil sie eine weitere Abwertung der Währung fürchten»​, sagt der Pekinger Ökonom Chen Donglin.

Für Peking ein Dilemma. Wenn die Preise außer Kontrolle geraten und die Blase platzen sollte, ist neben dem wirtschaftlichen auch der politische Schaden kaum zu ermessen. Nichts fürchten die stets um Stabilität bemühten Kader mehr als Unruhen, die auch durch unzufriedene Hausbesitzer ausgelöst werden könnten. Fallen die Preise, sind jene Bürger sauer, die schon Immobilien besitzen. Steigen die Preise ins Unermessliche, frustriert das jene, für die Wohneigentum ein unerreichbarer Traum bleibt.

Mehrfach schon hat Peking deshalb in den vergangenen Jahren versucht, am Häusermarkt zu intervenieren und kontrolliert Luft aus der Blase zu lassen. Jetzt greift sogar Präsident Xi Jinping persönlich ein.  Laut eines Berichts der «South China Morning Post» ermahnten er und sein Regierungschef Li Keqiang große Städte, entschlossener gegen die astronomischen Häuserpreise vorzugehen.

Die Mahnung zeigte schnell Wirkung: In Peking zum Beispiel müssen Erstkäufer von Häusern seit Anfang Oktober 35 statt 30 Prozent Eigenkapital mitbringen. Für eine Zweitwohnung müssen 50 Prozent des Kaufpreises angezahlt werden. Shenzhen kündigte derweil an, so schnell wie möglich 137 Hektar neues Bauland zur Verfügung zu stellen. Andere Städte beschränken die Zahl der Wohnungen, die pro Person gekauft werden können.

Ob das Fang Yongbin und seiner Freundin noch hilft? Er will nun so schnell es geht zurück in die Heimat nach Hefei und dort eine Wohnung kaufen. «Wir machen uns Sorgen, dass wir auch dort zu spät dran sind», sagt er.

Möglich wäre es: Die Wohnungspreise in der relativ armen Provinzhauptstadt haben sich in nur fünf Jahren verdoppelt.


 
 
 

Baugenehmigungen auf höchstem Stand seit 2000

Niedrige Hypothekenzinsen und die Unterbringung von Flüchtlingen sorgen für einen ungebremsten Bauboom in Deutschland. Von Januar bis August wurde die Errichtung von 245 300 Wohnungen genehmigt, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das waren 25,1 Prozent oder 49 200 mehr als im Vorjahreszeitraum und damit der höchste Stand in den ersten acht Monaten eines Jahres seit 2000. Damals waren 246 300 Wohnungen genehmigt worden. Bereits im ersten Halbjahr sowie nach sieben Monaten des laufenden Jahres hatten die Statistiker ein 16-Jahres-Hoch verzeichnet.

Am stärksten stiegen die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen mit einem Plus von 137,3 Prozent oder 9588. Zu ihnen zählen auch Flüchtlingsunterkünfte. Ohne die Berücksichtigung der Unterkünfte in Wohnheimen wäre das Plus insgesamt deutlich geringer ausgefallen.

Große Anstiege gab es ferner bei genehmigten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (27,5 Prozent) und Zweifamilienhäusern (14,2 Prozent). In die Höhe schoss zudem die Zahl der Bewilligungen bei Umbauten bestehender Gebäude: Sie wuchs um 38,6 Prozent oder 9674 – der höchste Stand seit dem Jahr 1998.


 
 
 

Finanzministerium plant Vorsorge gegen mögliche Immobilienblase

Das Bundesfinanzministerium plant zusätzliche Eingriffsrechte zur Vermeidung möglicher Preisblasen auf dem deutschen Immobilienmarkt. Der Ausschuss für Finanzstabilität habe vergangenes Jahr empfohlen, insbesondere Vorgaben bei der Vergabe von Wohnimmobiliendarlehen zu machen, hieß es am Montag in Ministeriumskreisen. Dem werde nun nachgekommen. Noch in dieser Legislaturperiode solle ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren zu Ende geführt werden.

Weiter hieß es, dabei gehe es nicht um eine Einschränkung der Kreditvergabe, sondern um die Herstellung von Stabilität im Finanzbereich. Ziel sei es, der Aufsicht vorsorglich Instrumente an die Hand zu geben. Nach einer Marktanalyse von Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Bundesbank könnten diese dann gegebenenfalls «scharf gestellt werden».

Bei den diskutierten Instrumenten handele es sich etwa um eine Obergrenze für das Verhältnis zwischen Darlehenshöhe und Immobilienwert sowie die Festlegung eines Zeitraums, in der ein gewisser Anteil der Immobilienfinanzierung wieder getilgt sein muss.


 
 
 

Überhitzter Immobilienmarkt in London – Abkühlung durch Brexit?

Weite Wege, Leben auf engstem Raum: Der Londoner Immobilienmarkt lässt viele Menschen verzweifeln. Sie hoffen, dass der geplante Brexit den Wohnraum in der Stadt wieder erschwinglich machen könnte.

Umgerechnet 1800 Euro für eine hübsche Zweizimmerwohnung in London – im edlen Stadtteil Westminster gilt so etwas als Schnäppchen. Doch schnell entpuppt sich das attraktive Angebot als herbe Enttäuschung: Der Preis gilt pro Woche. Nicht nur Ausländer, sondern auch Briten fallen auf solche Anzeigen herein. London zählt zu den teuersten Städten der Welt. Wird sich am Wohnungsmarkt in der Metropole durch den Brexit etwas ändern?

«London bleibt begehrt», meint ein Makler des Unternehmens Foxtons, das nach eigenen Angaben Marktführer der Branche in London ist. «Der Platz in der Stadt ist begrenzt und es ziehen immer mehr Menschen hierher.» Zahlreiche Häuser stünden unter Denkmalschutz, viele Grünflächen dürften nicht bebaut werden. Die Nachfrage nach Mietwohnungen werde nicht einknicken. «Nur beim Verkauf und Kauf ist eine gewisse Verunsicherung zu spüren», räumt der Makler ein.

Die seit Jahren riesige Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt hat Folgen. Viele leben auch mit 40, 50 oder 60 Jahren in Wohngemeinschaften – nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern um Kosten zu reduzieren. Andere ziehen weit außerhalb der riesigen Stadt – Anfahrtswege von mehr als einer Stunde bis zum Arbeitsplatz sind nicht ungewöhnlich.

«Ich brauche mindestens eine Stunde und vierzig Minuten und wenn es schlecht läuft zwei Stunden pro Strecke», berichtet ein 57-jähriger Brite, der im südenglischen Seebad Brighton wohnt und mit der Bahn fährt. Streiks und Verspätungen im maroden öffentliche Verkehrssystem machen vielen Pendlern zusätzlich zu schaffen. «Aber die Qualität des Lebens für meine Familie und mich ist in Brighton viel höher. Ein Haus mit Garten könnte ich mir niemals in London leisten.»

Weit über 8 Millionen Menschen leben in der Multi-Kulti-Stadt. Londons Ex-Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson – heute Außenminister – hielt mehr als 13 Millionen im Jahr 2050 für möglich.

Seit der Entscheidung für den Austritt aus der Europäischen Union wird nun viel spekuliert: Sinkt die Zahl der EU-Ausländer in der Metropole, könnte sich der Wohnungsmarkt entspannen. So meldete das Immobilienportal imobiliare.ro bereits wenige Wochen nach der Brexit-Abstimmung einen sprunghaften Anstieg von Rumänen in Großbritannien, die sich für Immobilien in ihrer Heimat interessierten. Mindestens 150 000 Rumänen arbeiten im Königreich.

Sollten Finanzinstitute in Zukunft wegen des geplanten Brexits Personal – etwa nach Frankfurt – abziehen, könnte das auch zu moderateren Preisen auf dem Londoner Wohnungsmarkt führen. Banken brauchen für Dienstleistungen innerhalb der Europäischen Union rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Insgesamt 164 000 Menschen arbeiten nach den jüngsten Zahlen (2015) der Vereinigung «City of London» im Finanzzentrum der Hauptstadt.

Mehr als ein Drittel der Vermieter in Großbritannien fürchtet negative Brexit-Folgen, wie eine Umfrage ihres Verbandes (National Landlords Association) ergab. In London rechnen sogar 55 Prozent mit Einbußen. Landesweit gehen nur 5 Prozent der Befragten von einem positiven Effekt aus, 39 Prozent sehen keinen großen Einfluss.

Tatsache ist: Noch kann niemand die Folgen für den Immobilienmarkt genau voraussagen. Viel hängt davon ab, an welche Bedingungen der Austritt aus der Europäischen Union geknüpft ist und welche Folgen er für EU-Ausländer haben wird. «Kurzfristig ist mit Unschlüssigkeit unter Käufern und Verkäufern zu rechnen, bis es eine größere Sicherheit rund um den wirtschaftlichen Einfluss des Brexits gibt», so die HomeOwners Alliance, die die Hausbesitzer im Land vertritt.

Bis dahin werden sich viele Mieter und Kaufinteressenten wohl weiter verwundert die Augen über die Preise auf dem Londoner Immobilienmarkt reiben: zum Beispiel über die mehr als 86 000 Pfund Monatsmiete für ein luxuriöses Penthouse oder die happigen 1500 Pfund für eine zugige Mini-Wohnung mit viel Schimmel im Bad. Selbst eine Garage im feinen Londoner Viertel Chelsea erzielte bei einer Auktion 360 000 Pfund – für eine große Nobelkarosse war das Objekt allerdings zu klein.london-1567903_960_720


 
 
 

Griechische Notare blockieren Zwangsversteigerung von Wohnungen

Die griechischen Notare haben sich am Mittwoch mit einem eintägigen Streik gegen die Zwangsversteigerung von Wohnungen von Bürgern gewendet, die ihre Schulden beim Staat nicht begleichen können. Dabei geht es insbesondere um Menschen, die wegen der Finanzkrise langfristig arbeitslos wurden und nur die von ihnen selbst bewohnte Immobilie besitzen. «Der Staat, die Politiker und die Justiz müssen Entscheidungen (zum Schutz der ärmeren Bürger) treffen», erklärte der Verband der Notare des Landes.

Wegen der dramatischen Finanz- und Wirtschaftskrise könnten Tausende Menschen ihre einzige Wohnung verlieren, sagten Notare im Staatsradio. In einigen Fällen gehe es nur um offene Schulden beim Staat in Höhe von 700 Euro.

Die Versteigerungen finden unter juristischer Aufsicht jeden Mittwoch in Gerichtssälen statt. Dabei kam es in den vergangenen Wochen zu Tumulten zwischen der Polizei und aufgebrachten Besitzern von Wohnungen, die versteigert werden sollten. Autonomen, die den Wohnungsbesitzern beistehen, gelang es, mehrere Versteigerungen zu stoppen, indem sie Gegenstände auf die Notare und die Richter warfen, die am Verfahren teilnahmen, wie das Fernsehen zeigte.


 
 
 
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