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Unbekannter ersteigert ein ganzes Dorf in Brandenburg

Berlin/Alwine – Ein Dorf unter dem Hammer: Ein unbekannter Telefonbieter hat am Samstag auf einer Auktion in Berlin das gesamte brandenburgische Dorf Alwine ersteigert – für 140 000 Euro.

Die abgelegene Waldsiedlung mit etwa 15 Mietern – auf halbem Weg zwischen Berlin und Dresden gelegen – führte jahrelang ein eher beschauliches Dasein. Viele Wohnungen standen leer. Die maroden Häuser müssten nach Schätzung des Bürgermeisters für rund zwei Millionen Euro saniert werden.

Bei der Auktion ging dann alles sehr schnell. In weniger als fünf Minuten wurde das Paket aus neun grauen Wohnhäusern, einer löchrigen Dorfstraße und einem Waldstück an den einzigen Bieter abgegeben.

„Er hatte sich erst am Samstagmorgen bei uns gemeldet und die Unterlagen per Fax geschickt“, sagte Matthias Knake vom Auktionshaus Karhausen. Der Bieter komme aus der Region Berlin-Brandenburg und wolle zunächst anonym bleiben. Er sei nicht von früheren Auktionen bekannt und wohne auch nicht in der Nähe von Alwine.

„Wir hatten weltweite Anfragen, sogar aus Indien“, sagte Knake weiter. Mehr als 40 Menschen hätten Interesse gezeigt, jedoch nicht mitgeboten. „Der Höchstbieter möchte mit dem Kauf etwas Gutes tun, zum Wohle der Bewohner.“

Das hofft auch Ortsvorsteher Peter Kroll, der bei der Auktion in Berlin mit dabei war. „Unser Wunsch ist es, dass wenigstens die bewohnten Bereiche der Häuser instandgesetzt werden.“ Die Häuser seien vom Dach bis zum Keller stark sanierungsbedürftig.

Alwine gehört zur Stadt Uebigau-Wahrenbrück, mehr als 100 Kilometer südlich von Berlin. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in dem kleinen Dorf nicht. Die einzige Buslinie in der näheren Umgebung fährt ohne Halt vorbei. Die Siedlung gehörte zu DDR-Zeiten zu einer benachbarten Brikett-Fabrik, die Anfang der 90er Jahre geschlossen wurde.

2001 habe die Treuhand das kleine Dorf Alwine für eine D-Mark an zwei Brüder verkauft, sagte der Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück, Andreas Claus, der ebenfalls die Auktion beobachtete. Einer der Brüder sei gestorben, daher jetzt die Versteigerung. „Wir sind sehr böse, dass es so weit kommen musste“, kommentierte Claus den ruinösen Zustand der Häuser mit bröckelndem Putz, kaputten Holzfenstern und undichten Dächern. „Eigentum verpflichtet. Deshalb würden wir gerne mit dem Käufer über seine zukünftigen Pläne reden.“

„Da könnte man eine Landkommune draus machen“, spekulierte ein Immobilienhändler aus München. „Das ist eher nichts für Spekulanten, weil die Preise in der Gegend sicherlich nicht steigen werden. Wenn man da nichts macht, sind die letzten Mieter auch bald weg.“ Ein anderer Zuschauer schlug vor, die Häuser abzureißen und ein Waldhotel zu bauen. „Das ist aber nicht möglich. Alwine liegt im Außenbereich und ist als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen“, erklärte Bürgermeister Claus.

Die alten Häuser hätten Bestandsschutz, Neubauten oder Nutzungsänderungen seien nicht möglich. Die Gemeinde selber wolle sich mit Investitionen in das Privatgelände zurückhalten. Es solle geprüft werden, ob der alte Eigentümer für den schlechten Zustand der Häuser in Haftung genommen werden könne, sagte Claus. „Dazu müssen wir uns anschauen, mit welchen Auflagen Alwine damals von der Treuhand weiterverkauft wurde.“

Der Bürgermeister beklagte außerdem, von dem Verkauf aus den Medien erfahren zu haben – und nicht vom Besitzer. Auktionshaus-Sprecher Knake stellte dazu fest, dass im Vorfeld der Versteigerung die Gemeinde schriftlich informiert worden sei. Es gebe ein gesetzliches Vorkaufsrecht, das aber nicht in Anspruch genommen worden sei.

Auch Knake befürwortete ein Gespräch mit den Mietern. „Man sollte mit den Leuten reden wegen der Bauschäden.“ Viele seien mit den kleinen Mieten zufrieden. Deshalb sollte man die Sanierungen gemeinsam durchsprechen. Er habe ein gutes Gefühl, dass der neue Besitzer es ernst meint, um die Wohnsituation in Alwine zukünftig zu verbessern.

Neben der Siedlung Alwine wurden auf der Auktion in Berlin auch alte Villen, ein Einkaufszentrum, Bahnhofsgebäude und ein Hochbunker versteigert. Die Objekte wechselten den Besitzer mit der Bedingung „gekauft wie besehen oder nicht besehen“. Die Eigentumsumschreibung wird erst nach der vollständigen Zahlung des Kaufpreises in die Wege geleitet.


 
 
 

So erstklassig sind Deutschlands 1-b-Städte

Alle wollen nach Berlin, München oder Hamburg? Wer eine Immobilie kaufen will, sollte dort nicht länger suchen. Anderswo lässt es sich komfortabler wohnen – und viel mehr Geld verdienen. FAZ.NET zeigt die attraktivsten Städte abseits der Metropolen.

Wer in diesen Zeiten Geld anlegen will, aber sich nicht an den Aktienmarkt traut, der hat ein Problem. Denn spürbare Zinsen gibt es ja bekanntermaßen nur noch auf Anleihen mit hohen Risiken, etwa aus Schwellenländern oder von wenig soliden Unternehmen. So kaufen immer mehr Deutsche lieber Immobilien und bewohnen sie gar nicht, sondern vermieten sie. 3,9 Millionen private Vermieter gibt es derzeit, 750.000 mehr als im Jahr 2000. Neun Prozent aller Haushalte sind das, überdurchschnittlich groß ist der Anteil in Baden-Württemberg und Bayern. Im Durchschnitt bringt die Vermietung 8900 Euro im Jahr vor Steuern ein.

Doch auch die Vermietung wird angesichts kräftig steigender Kaufpreise immer weniger lukrativ, vor allem in den Ballungsräumen. Viele entschieden sich deswegen für nicht ganz so teure 1-b-Städte, das sind mittelgroße Städte und Großstädte abseits der großen Ballungsräume wie Leipzig, Dresden, Nürnberg oder Bremen. Doch jetzt werden selbst die teuer. „Der Preisanstieg nimmt auch in der Fläche zu“, warnte gerade die Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorlage des Finanzstabilitätsberichts. Die Überbewertungen hätten sich 2016 weiter erhöht und regional ausgedehnt – also eben nicht nur in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Frankfurt, von denen immer die Rede ist. In 127 kleineren Städten, die die Bundesbank untersucht hat, kam es zu deutlichen Preissprüngen. Die geschätzte Überbewertung der Kaufpreise dort betrage bis zu 26 Prozent. In den Ballungsräumen liegt sie mit knapp 30 Prozent noch höher.

Sinkende Mietrenditen

Für angehende Vermieter ist das frustrierend. Wer noch attraktive Städte für den Kauf einer Wohnung finden will, hat es immer schwerer. Aber es gibt sie noch. Auch wenn sie selbstverständlich auch nicht mehr billig sind.

Für die Auswahl der passenden Stadt entscheidend sind vor allem zwei Kriterien. Das Verhältnis von Kaufpreis zu den zu erwartenden Mieteinnahmen und die Frage, ob die Stadt in Zukunft eher wächst und prosperiert oder schrumpft. Das für Immobilienbewertung bekannte Forschungsinstitut Empirica hat beides für 107 kreisfreie Städte untersucht und einen „Blasenindex“ entwickelt, der zeigt, wie sich die Gesamteinschätzung seit 2004 verbessert oder verschlechtert hat. Ein zentrales Ergebnis: „Seit etwa 2013 steigen die Kaufpreise in den Ballungsräumen deutlich stärker als die Mieten, seit 2015 auch in den 1-b-Städten“, sagt Reiner Braun, Vorstand von Empirica. „Die Folge ist, dass sich die Vermietung in fast allen Städten deutlich weniger lohnt als noch vor ein paar Jahren.“

Das zeigt sich in der Mietrendite, die Kaufpreis und Miete ins Verhältnis setzt. Sie ist fast überall gesunken, weil die Kaufpreise so hochgeschossen sind. In München betrug sie im dritten Quartal 2017 nach Zahlen von Empirica etwa 2,7 Prozent, in Hamburg drei Prozent, in Frankfurt 3,3 Prozent. Berücksichtigt man Kosten von mindestens 1,5 Prozent und Steuern, bleibt da nicht viel übrig. 2004 lag die Mietrendite in Frankfurt noch bei 4,9 Prozent. Die Kaufpreise für eine gut ausgestattete Wohnung mit 60 bis 80 Quadratmetern liegen im Durchschnitt für alle Baujahre in Frankfurt bei 3440 Euro je Quadratmeter, in Hamburg auf fast gleichem Niveau, in Berlin schon bei 2860 Euro und in München bei stolzen 5890 Euro.

In den 1-b-Städten sind die Preise oft niedriger und die Rendite oft höher. In Bremen zum Beispiel 4,1 Prozent, in Mannheim 3,8 Prozent. Aber es geht auf den ersten Blick auch noch besser: Für Oberhausen und Chemnitz liegt die Rendite bei 4,9 Prozent, die höchsten Werte der Untersuchung.

Das zeigt aber auch gleich das Problem. Die absolut höchste Mietrendite kann nicht das alleinige Kriterium sein. Sie verändert sich ständig, und wenn die Städte nur wenig Wachstumspotential haben, ist eine hohe Rendite nicht viel wert. Empirica misst das mit einem Schwarmindikator. Er zeigt, aus wie viel anderen Landkreisen Neubürger zuziehen. Je mehr Kreise, umso besser. Die Idee dahinter: Der Zuzug von Bürgern sorgt für steigende Nachfrage nach Wohnungen und damit für steigende Mieten. Ziehen die Menschen aus vielen verschiedenen, auch weiter entfernten Landkreisen hinzu, ist das ein Zeichen für die überregionale Attraktivität einer Stadt. Kommen die Neubürger hingegen nur aus der Umgebung der jeweiligen Stadt, wenn sich zum Beispiel das flache Land entvölkert, ist das wenig zukunftsträchtig, weil der Zuzug und damit der Nachfrageanstieg begrenzt ist.

Bei Oberhausen und Chemnitz liegt der Schwarmfaktor bei nur 36 Prozent der Kreise. Das ist wenig, 60 Prozent sollten es nach Meinung von Reiner Braun schon sein. Nach diesem Kriterium sind allen voran Berlin, Hamburg, München und das kleinere Potsdam die für Zuzügler attraktivsten Städte. Hier liegt der Schwarmfaktor bei mehr als 80 Prozent. Nur leider liegen hier eben die Mietrenditen sehr niedrig.

Keine Empfehlung für ehemalige Favoriten

Eine für Vermieter noch halbwegs interessante Stadt muss also eine Mietrendite über dem Durchschnitt, die am besten in den vergangenen Jahren kaum gestiegen ist, einen zu erwartenden ordentlichen Zuzug und die geringsten Anzeichen von Übertreibungen bei den Kaufpreisen aufweisen. Eine solche Stadt ist nach Ansicht von Empirica zum Beispiel Leipzig. Die Mietrendite ist seit 2004 gestiegen, was selten geworden ist und zeigt, dass etwas Übertreibung aus dem Markt entwichen ist. Die Rendite ist mit 4,2 Prozent nicht üppig, aber vergleichsweise hoch. Der Blasenindex zeigt keine Verschlechterung seit 2004. Und der Schwarmfaktor ist mit 73 Prozent gut. Das heißt, die Stadt ist überregional attraktiv und verspricht eine steigende Nachfrage. Das deckt sich auch mit der öffentlichen Wahrnehmung. Die sächsische Stadt hat in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen. Renommierte Firmenansiedlungen etwa von Porsche, der Ausbau der Messe, eine vitale Start-up-Szene und viele Studenten geben Leipzig eine gute Perspektive. Und damit auch den Vermietern. Ein Quadratmeter ist im Durchschnitt für nur 1650 Euro zu haben.

Attraktiv ist auch das oberfränkische Bamberg. Schwarmfaktor 60, keine Verschlechterung der Gesamtlage, die Mietrendite ist gestiegen. Die historische Altstadt unter Unesco-Schutz lockt genauso wie die heute öffnende ICE-Strecke von Berlin nach München, die Bamberg mit schnellen Zugverbindungen einbindet.


 
 
 

Wie Wohneigentum wieder bezahlbar wäre

Egal wer die nächste Bundesregierung stellt – sie sollte der Mittelschicht den Hauskauf erleichtern. Wie sich das realisieren lässt, zeigen zum Beispiel die Niederländer.

Ein Gastbeitrag von Michael Voigtländer

Deutschland ist eine Mieternation. Nur 45 Prozent der Haushalte leben in den eigenen vier Wänden, unter den OECD-Ländern ist die Quote nur in der Schweiz noch niedriger. Das muss nicht per se ein Problem sein. Viele – auch unsere – Studien haben gezeigt, dass Mieter mobiler sind. Für einen funktionierenden Arbeitsmarkt ist das wichtig. Darüber hinaus sind Volkswirtschaften mit hoher Mieterquote robuster, weil sich die Haushalte seltener stark verschulden. Und dennoch: Zumindest zwei Argumente sprechen dafür, dass es Deutschland gut tun würde, wenn wir es den Menschen erleichterten, Wohneigentum zu schaffen.

Erstens ist die Vermögensbildung in Deutschland unterentwickelt. Nach Statistiken der Europäischen Zentralbank verfügen deutsche Haushalte über weniger Vermögen als Haushalte in Spanien, Italien oder Irland. Man kann lange über diese Statistiken streiten, etwa weil dabei Vorsorgesysteme wie die Rentenversicherung nicht berücksichtigt werden. Dennoch bleibt ein großer Unterschied, der letztlich auf der geringeren Wohneigentumsbildung fußt.

Theoretisch könnten Mieter den Betrag, den Eigentümer über die Tilgung der Kredite zum Vermögensaufbau verwenden, natürlich sparen. Und sie könnten diese Beträge in diversifizierte Portfolios anlegen, die ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als Wohneigentum haben. Allein: Sie tun es nicht. Eindrucksvoll zeigen wirtschaftspsychologische Studien, wie schwer es uns fällt, für ferne Ziele wie eine bessere Rente zu sparen. Ein Kredit, den man abbezahlen muss und an dem die eigene Wohnung hängt, diszipliniert dagegen.

Ungleichheit verringern

Mehr Wohneigentum würde nicht nur die individuelle Vermögensbildung und Altersvorsorge stärken, sondern hätte auch einen Einfluss auf die Vermögensverteilung: Während Deutschland bei der Einkommensungleichheit im internationalen Vergleich keineswegs heraussticht, sind die Unterschiede im Vermögen in Deutschland tatsächlich besonders groß. Eine Stärkung des Wohneigentums würde die Vermögensungleichheit verringern, da mehr Menschen von steigenden Immobilienpreisen profitierten. Auf diese Weise könnten breite Schichten an den Vorteilen des Kapitalmarktes teilhaben.

Zweitens ist Wohneigentum in der aktuellen Phase schlicht günstiger als das Wohnen zur Miete. Dies mögen viele Menschen derzeit nicht so recht glauben, schließlich sind die Wohnungspreise doch stark gestiegen. Tatsächlich sind die Zinsen aber noch schneller gefallen. Demgegenüber stehen teilweise starke Mietsteigerungen, insbesondere in den Städten. Selbst unter Berücksichtigung der Kredittilgung – die ja dem Vermögensaufbau dient, den Mieter gar nicht durchführen – ist die finanzielle Belastung der Eigentümer in vielen Regionen deutlich geringer als die der Mieter.

Bedingt durch die geringen Zinsen gibt es also ein Zeitfenster, in dem Wohneigentum besonders günstig ist. Und es ist anzunehmen, dass sich dieses Zeitfenster nicht so schnell schließt. Zwar wird nun vermehrt über eine Zinswende in der Eurozone diskutiert, aber die wird nur langsam und vorsichtig erfolgen. Darüber hinaus hat die EZB einen geringen Einfluss auf die langfristigen Zinsen – denn die werden am globalen Kapitalmarkt im Zusammenspiel von Ersparnissen und Investitionen bestimmt. Da die Ersparnisse sehr hoch sind und die Investitionen stagnieren, deutet vieles darauf hin, dass die Niedrigzinsphase bis in die 2020er Jahre anhält.

Dennoch stagniert die Wohneigentumsbildung, seit 2010 ist die Eigentumsquote praktisch unverändert. Das liegt vor allem an den hohen Einstiegshürden in Form des benötigten Kapitals. Wer beispielsweise in Nordrhein-Westfalen eine Wohnung für 250.000 Euro kaufen möchte, was etwa dem deutschen Durchschnittspreis entspricht, muss rund 28.000 Euro an Erwerbsnebenkosten bezahlen: 16.500 Euro für die Grunderwerbssteuer, 8.900 Euro für den Makler, den Rest für Notar und Grundbuch. Zusätzlich erwartet die Bank für einen Kredit mindestens 25.000 Euro Eigenkapital. Insgesamt braucht der Käufer also Ersparnisse von mehr als 50.000 Euro. Darüber verfügen aber nur elf Prozent der Mieter. Die überwältigende Mehrheit ist also faktisch von der Eigentumsbildung ausgeschlossen.

Es geht auch anders – das zeigen unsere niederländischen Nachbarn: Dort muss man beim gleichen Kaufpreis von 250.000 Euro nur 6.500 Euro an Nebenkosten bezahlen. Das liegt unter anderem daran, dass dort schon lange das Bestellerprinzip bei Immobilienkäufen gilt. Das hat zu einer deutlichen Reduktion der Maklerprovisionen geführt. Zudem gibt es in den Niederlanden keine festen Notargebühren und die Grunderwerbssteuer beträgt nur zwei Prozent.

Zwar lässt sich nicht alles eins zu eins übertragen, aber es gibt genügend Ideen, wie die Barrieren für den Wohneigentumserwerb gesenkt werden können, ohne den Staat zu überlasten. Eine Möglichkeit besteht darin, die Grunderwerbssteuer neu aufzustellen: Statt eines einheitlichen Steuersatzes könnte ein Freibetrag mit Stufentarif wie im Vereinigten Königreich eingeführt werden. Damit würden de facto kleine und günstige Eigentumswohnungen entlastet, Villen und Penthäuser dagegen stärker belastet. Dies würde die Eigentumsbildung für Haushalte mit mittleren Einkommen erleichtern, ohne dass die Länder auf Steuereinnahmen verzichten müssen.

Egal wie sich die nächste Bundesregierung zusammensetzt: Durch eine Stärkung der Wohneigentumsbildung hat sie die Chance, ohne große Mehrbelastungen für den öffentlichen Haushalt die Altersvorsorge der Bürger zu verbessern – und dabei gleichzeitig die Vermögensungleichheit zu mindern.


 
 
 

Boom am Häusermarkt rettet Chinas Wachstumszahlen

A worker walks across the construction site of the terminal for the Beijing New Airport in Beijing's southern Daxing District, China October 10, 2016. REUTERS/Thomas Peter

Chinas Wirtschaft zeigt im dritten Quartal Zeichen der Stabilisierung. Doch das Wachstum von 6,7 Prozent hat Peking auch dem boomenden Immobilienmarkt zu verdanken. Die Preise in den Großstädten laufen heiß – für die Regierung ein Dilemma.

Um rund 50 Prozent haben sich Wohnungen in Deutschlands größten Städten seit 2010 verteuert. Fang Yongbin lacht, als er diese Zahl hört. «Und das halten die Leute bei euch in Deutschland schon für Wahnsinn?», fragt er ungläubig. Der 38-Jährige kommt aus Hefei, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, und arbeitet seit zehn Jahren in einer Werbeagentur in Peking.

Seit er in Chinas Hauptstadt ankam, versucht er gemeinsam mit seiner Freundin genug Geld für eine kleine Wohnung am Stadtrand zu sparen. Doch die Preise galoppieren davon und lassen dem Paar keine Chance, auch nur ansatzweise genügend Eigenkapital zu sammeln. Seit 2010 sind die Wohnungspreise in der 20-Millionen-Metropole um 180 Prozent geklettert. Ein Eigenheim kostet nun im Durchschnitt 55 000 Yuan pro Quadratmeter, rund 7400 Euro. Und das bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von umgerechnet 900 Euro. «Das nenne ich Wahnsinn», sagt Fang Yongbin.

Doch auch wenn die Preise schon viele Chinesen wie den Werbefachmann und seine Freundin abgehängt haben, genügend Kaufwillige gibt es noch immer: Allein in Peking sind die Preise in diesem Jahr erneut um 25 Prozent gestiegen. Noch steiler bergauf ging es in Shanghai (44 Prozent) und in der südchinesischen Metropole Shenzhen (55 Prozent). Stagnationen oder sogar Preisrückgänge verzeichnen dagegen kleinere Städte, wo oft komplett am Bedarf vorbei gebaut wurde und ganze Geisterstädte entstanden sind.

Die Regierung sieht den Beton-Boom mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist der gut laufende Immobiliensektor willkommen, weil er dabei hilft, das ins Stocken geratene Wachstum des Landes zu stabilisieren. Rund die Hälfte der in China getätigten Inventionen flossen laut Einschätzungen von Analysten in diesem Jahr in den Immobiliensektor. Das meiste davon auf Pump. Wäre die Kauf- und Spekulationslust am Häusermarkt nicht so groß, auch die am Mittwoch vorgelegten Wachstumszahlen für das dritte Quartal wären weniger freundlich ausgefallen. Mit einem Zuwachs von 6,7 Prozent lagen sie genau im Rahmen der Regierungserwartungen.

Gleichzeitig ist der Immobilienboom auch ein Zeichen für die weiterhin große Unsicherheit: «​Die Menschen kaufen Häuser, weil sie eine weitere Abwertung der Währung fürchten»​, sagt der Pekinger Ökonom Chen Donglin.

Für Peking ein Dilemma. Wenn die Preise außer Kontrolle geraten und die Blase platzen sollte, ist neben dem wirtschaftlichen auch der politische Schaden kaum zu ermessen. Nichts fürchten die stets um Stabilität bemühten Kader mehr als Unruhen, die auch durch unzufriedene Hausbesitzer ausgelöst werden könnten. Fallen die Preise, sind jene Bürger sauer, die schon Immobilien besitzen. Steigen die Preise ins Unermessliche, frustriert das jene, für die Wohneigentum ein unerreichbarer Traum bleibt.

Mehrfach schon hat Peking deshalb in den vergangenen Jahren versucht, am Häusermarkt zu intervenieren und kontrolliert Luft aus der Blase zu lassen. Jetzt greift sogar Präsident Xi Jinping persönlich ein.  Laut eines Berichts der «South China Morning Post» ermahnten er und sein Regierungschef Li Keqiang große Städte, entschlossener gegen die astronomischen Häuserpreise vorzugehen.

Die Mahnung zeigte schnell Wirkung: In Peking zum Beispiel müssen Erstkäufer von Häusern seit Anfang Oktober 35 statt 30 Prozent Eigenkapital mitbringen. Für eine Zweitwohnung müssen 50 Prozent des Kaufpreises angezahlt werden. Shenzhen kündigte derweil an, so schnell wie möglich 137 Hektar neues Bauland zur Verfügung zu stellen. Andere Städte beschränken die Zahl der Wohnungen, die pro Person gekauft werden können.

Ob das Fang Yongbin und seiner Freundin noch hilft? Er will nun so schnell es geht zurück in die Heimat nach Hefei und dort eine Wohnung kaufen. «Wir machen uns Sorgen, dass wir auch dort zu spät dran sind», sagt er.

Möglich wäre es: Die Wohnungspreise in der relativ armen Provinzhauptstadt haben sich in nur fünf Jahren verdoppelt.


 
 
 

Baugenehmigungen auf höchstem Stand seit 2000

Niedrige Hypothekenzinsen und die Unterbringung von Flüchtlingen sorgen für einen ungebremsten Bauboom in Deutschland. Von Januar bis August wurde die Errichtung von 245 300 Wohnungen genehmigt, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das waren 25,1 Prozent oder 49 200 mehr als im Vorjahreszeitraum und damit der höchste Stand in den ersten acht Monaten eines Jahres seit 2000. Damals waren 246 300 Wohnungen genehmigt worden. Bereits im ersten Halbjahr sowie nach sieben Monaten des laufenden Jahres hatten die Statistiker ein 16-Jahres-Hoch verzeichnet.

Am stärksten stiegen die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen mit einem Plus von 137,3 Prozent oder 9588. Zu ihnen zählen auch Flüchtlingsunterkünfte. Ohne die Berücksichtigung der Unterkünfte in Wohnheimen wäre das Plus insgesamt deutlich geringer ausgefallen.

Große Anstiege gab es ferner bei genehmigten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (27,5 Prozent) und Zweifamilienhäusern (14,2 Prozent). In die Höhe schoss zudem die Zahl der Bewilligungen bei Umbauten bestehender Gebäude: Sie wuchs um 38,6 Prozent oder 9674 – der höchste Stand seit dem Jahr 1998.


 
 
 

Finanzministerium plant Vorsorge gegen mögliche Immobilienblase

Das Bundesfinanzministerium plant zusätzliche Eingriffsrechte zur Vermeidung möglicher Preisblasen auf dem deutschen Immobilienmarkt. Der Ausschuss für Finanzstabilität habe vergangenes Jahr empfohlen, insbesondere Vorgaben bei der Vergabe von Wohnimmobiliendarlehen zu machen, hieß es am Montag in Ministeriumskreisen. Dem werde nun nachgekommen. Noch in dieser Legislaturperiode solle ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren zu Ende geführt werden.

Weiter hieß es, dabei gehe es nicht um eine Einschränkung der Kreditvergabe, sondern um die Herstellung von Stabilität im Finanzbereich. Ziel sei es, der Aufsicht vorsorglich Instrumente an die Hand zu geben. Nach einer Marktanalyse von Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Bundesbank könnten diese dann gegebenenfalls «scharf gestellt werden».

Bei den diskutierten Instrumenten handele es sich etwa um eine Obergrenze für das Verhältnis zwischen Darlehenshöhe und Immobilienwert sowie die Festlegung eines Zeitraums, in der ein gewisser Anteil der Immobilienfinanzierung wieder getilgt sein muss.


 
 
 

Überhitzter Immobilienmarkt in London – Abkühlung durch Brexit?

Weite Wege, Leben auf engstem Raum: Der Londoner Immobilienmarkt lässt viele Menschen verzweifeln. Sie hoffen, dass der geplante Brexit den Wohnraum in der Stadt wieder erschwinglich machen könnte.

Umgerechnet 1800 Euro für eine hübsche Zweizimmerwohnung in London – im edlen Stadtteil Westminster gilt so etwas als Schnäppchen. Doch schnell entpuppt sich das attraktive Angebot als herbe Enttäuschung: Der Preis gilt pro Woche. Nicht nur Ausländer, sondern auch Briten fallen auf solche Anzeigen herein. London zählt zu den teuersten Städten der Welt. Wird sich am Wohnungsmarkt in der Metropole durch den Brexit etwas ändern?

«London bleibt begehrt», meint ein Makler des Unternehmens Foxtons, das nach eigenen Angaben Marktführer der Branche in London ist. «Der Platz in der Stadt ist begrenzt und es ziehen immer mehr Menschen hierher.» Zahlreiche Häuser stünden unter Denkmalschutz, viele Grünflächen dürften nicht bebaut werden. Die Nachfrage nach Mietwohnungen werde nicht einknicken. «Nur beim Verkauf und Kauf ist eine gewisse Verunsicherung zu spüren», räumt der Makler ein.

Die seit Jahren riesige Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt hat Folgen. Viele leben auch mit 40, 50 oder 60 Jahren in Wohngemeinschaften – nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern um Kosten zu reduzieren. Andere ziehen weit außerhalb der riesigen Stadt – Anfahrtswege von mehr als einer Stunde bis zum Arbeitsplatz sind nicht ungewöhnlich.

«Ich brauche mindestens eine Stunde und vierzig Minuten und wenn es schlecht läuft zwei Stunden pro Strecke», berichtet ein 57-jähriger Brite, der im südenglischen Seebad Brighton wohnt und mit der Bahn fährt. Streiks und Verspätungen im maroden öffentliche Verkehrssystem machen vielen Pendlern zusätzlich zu schaffen. «Aber die Qualität des Lebens für meine Familie und mich ist in Brighton viel höher. Ein Haus mit Garten könnte ich mir niemals in London leisten.»

Weit über 8 Millionen Menschen leben in der Multi-Kulti-Stadt. Londons Ex-Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson – heute Außenminister – hielt mehr als 13 Millionen im Jahr 2050 für möglich.

Seit der Entscheidung für den Austritt aus der Europäischen Union wird nun viel spekuliert: Sinkt die Zahl der EU-Ausländer in der Metropole, könnte sich der Wohnungsmarkt entspannen. So meldete das Immobilienportal imobiliare.ro bereits wenige Wochen nach der Brexit-Abstimmung einen sprunghaften Anstieg von Rumänen in Großbritannien, die sich für Immobilien in ihrer Heimat interessierten. Mindestens 150 000 Rumänen arbeiten im Königreich.

Sollten Finanzinstitute in Zukunft wegen des geplanten Brexits Personal – etwa nach Frankfurt – abziehen, könnte das auch zu moderateren Preisen auf dem Londoner Wohnungsmarkt führen. Banken brauchen für Dienstleistungen innerhalb der Europäischen Union rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Insgesamt 164 000 Menschen arbeiten nach den jüngsten Zahlen (2015) der Vereinigung «City of London» im Finanzzentrum der Hauptstadt.

Mehr als ein Drittel der Vermieter in Großbritannien fürchtet negative Brexit-Folgen, wie eine Umfrage ihres Verbandes (National Landlords Association) ergab. In London rechnen sogar 55 Prozent mit Einbußen. Landesweit gehen nur 5 Prozent der Befragten von einem positiven Effekt aus, 39 Prozent sehen keinen großen Einfluss.

Tatsache ist: Noch kann niemand die Folgen für den Immobilienmarkt genau voraussagen. Viel hängt davon ab, an welche Bedingungen der Austritt aus der Europäischen Union geknüpft ist und welche Folgen er für EU-Ausländer haben wird. «Kurzfristig ist mit Unschlüssigkeit unter Käufern und Verkäufern zu rechnen, bis es eine größere Sicherheit rund um den wirtschaftlichen Einfluss des Brexits gibt», so die HomeOwners Alliance, die die Hausbesitzer im Land vertritt.

Bis dahin werden sich viele Mieter und Kaufinteressenten wohl weiter verwundert die Augen über die Preise auf dem Londoner Immobilienmarkt reiben: zum Beispiel über die mehr als 86 000 Pfund Monatsmiete für ein luxuriöses Penthouse oder die happigen 1500 Pfund für eine zugige Mini-Wohnung mit viel Schimmel im Bad. Selbst eine Garage im feinen Londoner Viertel Chelsea erzielte bei einer Auktion 360 000 Pfund – für eine große Nobelkarosse war das Objekt allerdings zu klein.london-1567903_960_720


 
 
 

Griechische Notare blockieren Zwangsversteigerung von Wohnungen

Die griechischen Notare haben sich am Mittwoch mit einem eintägigen Streik gegen die Zwangsversteigerung von Wohnungen von Bürgern gewendet, die ihre Schulden beim Staat nicht begleichen können. Dabei geht es insbesondere um Menschen, die wegen der Finanzkrise langfristig arbeitslos wurden und nur die von ihnen selbst bewohnte Immobilie besitzen. «Der Staat, die Politiker und die Justiz müssen Entscheidungen (zum Schutz der ärmeren Bürger) treffen», erklärte der Verband der Notare des Landes.

Wegen der dramatischen Finanz- und Wirtschaftskrise könnten Tausende Menschen ihre einzige Wohnung verlieren, sagten Notare im Staatsradio. In einigen Fällen gehe es nur um offene Schulden beim Staat in Höhe von 700 Euro.

Die Versteigerungen finden unter juristischer Aufsicht jeden Mittwoch in Gerichtssälen statt. Dabei kam es in den vergangenen Wochen zu Tumulten zwischen der Polizei und aufgebrachten Besitzern von Wohnungen, die versteigert werden sollten. Autonomen, die den Wohnungsbesitzern beistehen, gelang es, mehrere Versteigerungen zu stoppen, indem sie Gegenstände auf die Notare und die Richter warfen, die am Verfahren teilnahmen, wie das Fernsehen zeigte.